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1989-2009-2029: Was war? Was ist? Was wird sein?

20 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende des Eisernen Vorhangs sind auch für die Österreich Institute Anlass sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

 

In den Standortländern der Österreich Institute wie auch in Österreich hat sich in den letzten 20 Jahren viel geändert. Diesen Veränderungen wird im Rahmen eines Oral-History-Projekts im Deutschunterricht nachgespürt:

 

Im Sommersemester 2009 nehmen KursteilnehmerInnen der Österreich Institute in den Städten Bratislava, Budapest, Krakau, Warschau, Wrocław, Ljubljana, Belgrad, Rom, Brno und Istanbul am Projekt teil.

 

Ziel des Projektes ist die persönliche Auseinandersetzung der ProjektteilnehmerInnen mit dem Thema 1989-2009-2029 auf zwei Ebenen:

 

  • Wie sieht man die historischen Ereignisse von 1989 und die weitere Entwicklung bis heute auf den zwei Seiten des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten bringen die zwei Perspektiven des „Ostens“ und des „Westens“ zutage?
  • Was bewegte 1989, was bewegt heute und was wird wohl 2029 bewegen?

 

Die Ergebnisse des Projektes präsentieren wir unten.

  • Projektleitung: Agnieszka Kalińska

  • ProjektteilnehmerInnen: Karolina Rydzkowska, Hubert Bagiński, Maja Grobelna, Magdalena Gosławska, Marta Gryglak, Michał Szafrański, Piotr Szafrański, Bartosz Wilczyński, Adrian Bidziński

Martin Pollack

Österreichischer Schriftsteller

 

Wie alt waren Sie im Jahre 1989?

 

Wie alt war ich? O, Gott. 1989. Gut. Da muss ich die Frage zurückgeben. Ich bin 1944 geboren, also wie alt war ich, Karolina? Mathematik. 45 Jahre. Genau.

 

Wissen Sie, was in diesem Jahr in Europa passiert ist?

 

Ja, das weiß ich. Ich war 1989 ein Journalist für das Deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Ich war Korrespondent und es war meine Aufgabe als Journalist zu wissen, was passiert. Ich habe auch über Veränderungen geschrieben, z. B. in Polen, in diesem Weltteil. Also, das war meine Aufgabe, informiert zu sein.

 

Wie haben Sie dieses Jahr in Erinnerung?

 

Das war ein sehr aufregendes Jahr. Ich kann euch z. B. genau erzählen, wie ich den Fall der Berliner Mauer 1989 erlebt habe. Das war in Warschau. Ich war Korrespondent des Deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, wie ich schon gesagt habe und da war der deutsche Kanzler Helmut Kohl damals in Warschau und in Warschau hat er die Nachricht bekommen, dass die Mauer in Berlin aufgegangen ist und ist zurückgefahren nach Deutschland.

 

Was bedeutete für Sie das Jahr 1989?

 

Also 1989 bedeutete für mich, dass ein System zusammengebrochen ist, ein System, dass ich sehr gut kannte. Ich war ja seit den 60er Jahren, seit 1960, 1965-66 hier in Polen und in der Tschechoslowakei und habe gewusst, wie dieses kommunistische System funktioniert. Ich wusste, dass das sehr schlecht ist für die Menschen, dass sie sich nicht gut fühlen, dass sie nicht ausreisen können. Also 1989 ist das plötzlich aufgegangen und die Leute haben mehr Freiheit. Das war eine Änderung zum Guten.

 

Sie waren also nicht in Deutschland als die Mauer gefallen ist?

 

Nein, da war ich in Polen. Ich war in Warschau zu der Zeit, mit dem Herrn Bundeskanzler Kohl. Der war genau zu der Zeit in Warschau und ich kann genau sagen, wo das war. Das war im Hotel Marriott in Warschau. Es ist eine große deutsche Delegation gekommen und da ist die Berliner Mauer gefallen und die Deutschen sind sofort wieder zurückgefahren, um das zu erleben.

 

Die Menschen haben sich gefreut über das Ende des Kommunismus. Waren Sie auch dabei und haben Sie das gesehen?

 

Ja, ja, natürlich. Ich war ja dabei. Als Journalist muss man immer bei den Menschen sein. Die Politiker sind eine Geschichte, ja. Aber im Grunde genommen sind Politiker nicht besonders interessant. Ich habe mit vielen Politikern gesprochen und das finde ich nicht sehr spannend. Die interessanten Leute sind immer die Menschen. Und da muss man immer mit den Menschen sein, auch mithoffen usw.

 

Und im Jahre 1989 sind Sie dann auch nach Deutschland gefahren?

 

Ja, ich bin dann nach Deutschland gefahren ich habe damals für ein deutsches Magazin gearbeitet und ich war ja sehr oft in Deutschland.

 

Und haben Sie Kontakte zu Deutschen?

 

Ja, natürlich. Ich habe auch in Warschau Kontakt gehabt mit Deutschen. Ich war einer der Korrespondenten, also es waren mehrere Deutsche, es war kein Problem. Für einen Österreicher ist es völlig normal nach Deutschland zu fahren. Das ist nichts Besonderes.

 

Und in diesem Jahr 1989 wollten Menschen viel über die Politik wissen oder haben sie eher viel über Sport gelesen?

 

Das war verschieden. Das kommt darauf an, das kann man nicht so pauschal sagen. Aber über Politik wollte jeder etwas wissen, das war spannend, da sind Grenzen aufgegangen, da sind plötzlich Ostdeutsche gekommen, das war eine aufregende Zeit. Aber die Leute haben Angst gehabt plötzlich. Was wird das werden mit unserem Geld, wenn jetzt die Ostdeutschen kommen, denen man viel Geld zahlen muss. Und Sport hat die Leute immer interessiert. Obwohl ich glaube, dass das Interesse für Sport etwas zurückgeht.

 

War es in dem Jahre 1989 schwierig z. B. Brot zu kaufen, oder Bratwurst?

 

Nein, das war in Österreich kein Problem. Auch nicht in Deutschland. Solche Probleme hat es hier gegeben, aber auch nicht 1989, soweit ich mich erinnern kann, nicht wahr? Nein, die Zeiten waren bei uns sehr viel früher, das war nach dem Krieg, 1945, 1946, 1947. Da war ich sehr klein. Aber ich kann mich schon erinnern. Das waren schon Zeiten, wo man in Österreich sehr wenig zu essen gehabt hat, sehr schlechte Zeiten.

 

Wir haben jetzt das Jahr 2009. Wie sieht die Situation heute aus?

 

Also, wenn wir z. B. bei Polen bleiben, es ist vielleicht gut. Ich würde sagen, dass sich Polen doch sehr verändert hat, seit 1989. Es gibt immer noch viele Dinge, die nicht ideal sind, ganz klar, aber ich muss sagen - Polen ist ein ganz normales, europäisches Land. Das war im Jahre 1989 nicht so. Also, eine sehr positive Änderung. In Österreich hat sich das nicht so dramatisch verändert, wie in Polen, also es gibt ja nicht diesen Bruch. Das Jahr 1989 war für Österreicher nicht ein einschneidendes Ereignis. Es waren unsere Nachbarn, die dieses einschneidende Ereignis erlebt haben. In Österreich hat sich das nicht so dramatisch verändert. Die Leute in Polen führen jetzt ein normales Leben, haben dieselben Autos, die wir, fahren zum Urlaub, zum Schifahren nach Österreich, die fahren nach Spanien. Das war 1989 völlig undenkbar.

 

Meinen Sie, dass es in 20 Jahren noch Journalisten geben wird?

 

Es werden sicher noch Journalisten sein, aber ich glaube, diese Veränderung, dass man glaubt, es wird alles technisiert und automatisiert, das kommt nicht so. Ich kann mich gut erinnern. Man hat gesagt, dass 2009 werden wir kein Brot mehr essen. Wenn man aber heute auf den Markt geht, da kaufen Leute Brot zu Hause gebacken, Käse zu Hause gemacht, Wurst zu Hause gemacht. Also es ist eher die Rückkehr zu Dingen, wie vor hundert Jahren. Und das ist ja positiv.

 

Und was meinen Sie, wie wird die Welt in 20 Jahren aussehen?

 

Keine Ahnung, das weiß ich nicht. Ich bin kein Prophet. Ich bin auch kein Futurologe. Ich weiß es nicht. Also ich glaube, ich bin schon ein bisschen optimistisch. Also ich glaube nicht, dass die Welt sehr viel schlechter sein wird. Ich glaube, dass gerade die junge Generation, also ihr, ändern werdet das, was heute schlecht ist. Ich hoffe, dass ihr das macht. Das liegt bei euch. Nicht bei uns.

 


Helmut Hofbauer

Österreichischer Lektor am Germanistischen Institut der Universität Wroclaw

 

Wie alt waren Sie im Jahre 1989?

 

Da war ich 16 Jahre alt.

 

Wissen Sie, was in diesem Jahr in Europa passiert ist?

 

Ich weiß, dass der Eiserne Vorhang gefallen ist.

 

Wie haben Sie dieses Jahr in Erinnerung?

 

Ich habe sehr wenig in Erinnerung, aber ich weiß noch, dass wir 1989 in England waren, mit meiner Schule. In England und in Schottland. Eine Woche waren wir in London und drei Wochen in Edinburgh. Und zwar in Edinburgh habe ich im Fernsehen gesehen, wie die Berliner Mauer gefallen ist.

 

Hatte es einen Einfluss auf Sie, Ihre Familie, Menschen in Ihrem Umfeld. Welchen? War das ein Wendejahr?

 

Nein, eigentlich gar nicht. Und das hängt damit zusammen, dass ich aus einem kleinen Dorf komme, in Niederösterreich. Also Niederösterreich ist das Land rund um Wien. Ich komme aus Langau, es ist 3 km von der tschechischen Grenze entfernt. Also hier in Polen war der Eiserne Vorhang und es war so, dass in unserem Teil Österreichs die Leute sehr schmerzhaft erlebt haben, wie nach 1945 die Sudetendeutschen vertrieben worden sind. Also viele Sudetendeutsche haben in unserem Dorf eine Zeit lang gewohnt und dann weiter gewandert sind, die meisten nach Bayern. Und aus diesem Grund waren für die Leute die Tschechien, die Böhmer immer die bösen. Und das hat mit dem Jahre 1989 nicht einfach aufgehört.

 

Haben Sie besondere Erlebnisse oder Erfahrungen, die mit diesem Jahr verbunden sind?

 

Wie gesagt, unsere Englandreise, aber sonst nichts Spezielles. Ich war in der Schule damals, im Gymnasium, 30 km entfernt von Langau. Das Gymnasium dauert 8 Jahre bei uns, also vom 10. bis zum 18. Lebensjahr. Und das war furchtbar. Ich habe nur gewartet, bis das ganze zu Ende geht. Es war eine sehr strenge Schule.

 

Was hat sich verändert, z. B. in Bezug auf Essen, Schule, Reisen?

 

Ja, ich könnte nicht hier sein, wenn 1989 nicht passiert wäre. Und eigentlich das erste mal war ich in Polen, ich glaube, 1994. Da war ich in Krakau. Und da dachte ich, hm, es ist gar nicht so schlecht hier. Das kann man probieren. Ich war 1994 in Krakau. Und bei der Österreichischen Kooperation habe ich mich beworben, dann erst 2002, und ich habe mich für Polen beworben. Also, dass ich nach Wroclaw gekommen bin, war Zufall. Hier ist gerade eine Stelle frei geworden.

 

Als sie  1989 in England waren, da haben sich die Menschen gefreut, oder waren das ganz normale Tage?

 

Also wir haben das im Fernsehen gesehen. Wir haben die Freude der Menschen in Ostdeutschland gesehen, als sie über die Mauer geklettert sind. Und in den Tagen vorher sind auch viele Ostdeutsche über Ungarn nach Österreich gekommen. Österreich hat da sehr viele aufgenommen. Das hat man gesehen, also die Trabis an der Grenze und wir haben irgendwie auch schon gespürt, dass da was Großes passiert, aber ich weiß es nicht, es war nicht unsere Geschichte. Irgendwie ist das an uns vorbeigegangen. Und eigentlich ist das an ganz Österreich vorbeigegangen, habe ich das Gefühl, mit Ausnahme von ein paar Politikern und ein Paar Wirtschaftsbossen, weil die österreichische Wirtschaft dann sehr stark investiert hat, in Ungarn, in Tschechien, in Rumänien und Bulgarien. Aber die Österreicher haben so weiter gelebt, als wäre das nicht passiert.

 

Meinen Sie, dass einfache Leute davon gewusst haben, was da passiert ist, so normale Leute, wie in Wroclaw?

 

Das glaube ich schon, oder? Die Frage ist sozusagen, ob ihr, ob eure Generation das weißt. Damals wurde über dieses Thema gar nicht viel geredet. Einige Jahre vorher war die Frage in Österreich, ob hier an der Donau ein Donaukraftwerk, ein Wasserkraftwerk gebaut werden soll. Und das war eine viel größere Diskussion, es wurde viel emotionaler diskutiert. Es ist im Nachhinein betrachtet seltsam. Die Situation während des Kalten Kriegs war ja eigentlich nicht ungefährlich, auch vor allem für Österreich, weil der Eiserne Vorhang um den ganzen Ostteil herumgegangen ist. Österreich war wie ein Keil in den damals so genannten Ostblock hinein. Weil ihr oder weil ich damit aufgewachsen bin, haben wir das eigentlich gar nicht als gefährlich empfunden. Das war einfach so. Und also meine Eltern sind Bauern, sie haben Felder. Und wir haben einige Felder, die direkt an der Grenze liegen. Und dann haben wir hinübergeschaut, auf der anderen Seite waren zuerst einfach Felder und ein Stück weiter war der Stacheldraht. Und manchmal sind die Tschechen auch gekommen, um diese Felder vor dem Stacheldraht zu bearbeiten. Meine Eltern haben mich mitgenommen, um auf den Feldern Steine zu sammeln. Mein Vater hat mir erklärt, dass die Kommunisten die Steine nicht einsammeln, weil ihnen nichts gehört, auch die Maschinen gehören ihnen nicht. Deswegen macht es ihnen nichts aus, wenn die Maschinen kaputt gehen. Deswegen sammeln sie die Steine nicht ein. Und so habe ich gelernt, was Kommunismus ist.

 

Meinen Sie, dass, wenn die Mauer noch stehen würde, dann wäre alles besser?

 

Nein, auf keinen Fall. Das ist jetzt viel besser, aber es wurde diese Zeit wahrscheinlich auch mit viel zu hohen Erwartungen eingereicht. Man hat gedacht, dass Europa viel schneller zusammenwachsen wird. Und das ist es aber nicht, weil Menschen die Geschichte in sich tragen. Weil Menschen geprägt werden und oft dauert es 40, 50 Jahre, bis die nächste Generation kommt, bis neue Erfahrungen möglich werden. Also wahrscheinlich könnt ihr dann Europa verändern, einfach deswegen, weil ihr diese Erfahrungen vom Kalten Krieg nicht gemacht habt. Und deswegen offen seid für neue Geschichte.

 

Haben Sie damals erwartet, dass die Mauer fallen würde?

 

Nein, aber das ist ein ganz wichtiges Thema. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, ich war damals ungefähr so alt, wie ihr. Und in diesem Alter habe ich die politische Situation hingenommen, wie das Wetter, wie das Klima. Also ich habe nicht wirklich gedacht, dass sich was groß verändern könnte. Und dann verändert sich doch was. Und dann merkt man, dass die Welt in Bewegung ist. Das war ganz überraschend. Und eine ähnliche Überraschung habe ich erlebt, als die Europäische Union später dann begonnen hat, Werbung zu machen gegen die Raucher. Ihr kennt diese schwarzen Rechtecke auf den Zigarettenschachteln, wie schädlich Rauchen ist. Das gab es ja vorher nicht. Und zu meiner Zeit hat jeder zwar gewusst, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, aber gleichzeitig war es einfach normal und erwachsen. Und plötzlich ist man auf die Idee gekommen, dass es wirklich schädlich ist. Also plötzlich hat sich die Welt verändert. Die Welt ist nicht so stark, wie sie erscheint. Es ändert sich tatsächlich immer wieder etwas.

 

Und jetzt haben wir das Jahr 2009. Wie sieht die Situation heute aus?

 

Na ja, es hat sich viel verändert, aber es ist auch viel gleich geblieben. Ich sehe das so, dass Europa ein seltsamer Kontinent ist, wo alle nach Westen schauen. Also die Deutschen schauen nach den Franzosen, die Polen schauen nach den Deutschen, die Ukrainer schauen nach den Polen usw. Und z. B. die Polen beklagen das dann oft, oder finden es schmerzhaft, dass die Deutschen nach Westen schauen, also sich nicht sehr viel nach Warschau wenden. Aber sicher tut ihr auch genauso, also alle schauen nach Westen. Und das ist gleich geblieben, glaube ich. Also wir sind so eine Gemeinschaft, aber wie so eine Menschenschlange. Jeder sieht vom anderen nur den Rücken.

 

Und wie wird die Welt im Jahre 2029 aussehen. Was meinen Sie?

 
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin kein Zukunftsforscher. Ich würde sagen, ich hoffe, dass das europäische Zusammenleben sich langsam verbessern wird. Wie gesagt, ich komme aus diesem kleinen Dorf, Langau, und da hat sich viele Jahre lang gar nichts geändert. Auf der anderen Seite der Grenze gibt es auch ein kleines Dorf, das heißt Šafov. Das ist schon in Tschechien. Und obwohl die Grenze offen ist, also man braucht keinen Reisepass, ist lange Zeit, außer unserem Pfarrer, fast niemand hinübergegangen. Und das gleiche betrifft Bratislava. Bratislava ist von Wien ungefähr 60 km entfernt. Ja, das sind zwei Hauptstädte, die in ganz Europa am nahesten zusammen liegen. Man kann mit dem Auto, mit dem Zug oder auch mit dem Boot, auf der Donau nach Bratislava fahren. Und ganz wenige Wiener waren schon in Bratislava. Also die Grenzen in den Köpfen sind immer noch ganz stark. Jetzt, so viele Jahre danach. Und das wird erst in 20 Jahren besser.


Andreas Scheiterbauer

Österreichischer Lektor am Österreich Institut Warszawa

 

Wie alt waren Sie im Jahr 1989?

 

Ich war 8 Jahre alt und lebte in Österreich.

 

Wissen Sie, was in diesem Jahr vorgefallen ist?

 

 In meinem Bewusstsein war das der "Mauerfall" in Berlin und der Wegfall der Grenze ("Eiserner Vorhang") nach Tschechien und Ungarn. Heute weiß ich von den damaligen Vorgängen ziemlich genau Bescheid (Universität, Erzählungen,..)

 

Wie haben Sie dieses Jahr in Erinnerung?

 

Eigentlich kann ich mich nur daran erinnern, dass im Radio die ganze Zeit über die DDR gesprochen wurde. 1989 sah ich auch das erste Mal ein Auto mit polnischem Nummernschild aus Polen und mein Opa sagte: "Aus Polen, das sind ganz arme Leute".

 

Hatte es entscheidende Auswirkungen auf Sie, ihre Familien,

Menschen in Ihrem Umfeld?

 

Keine besonderen.

 

Haben Sie besondere Erlebnisse oder Erfahrungen, die Sie an dieses Jahr erinnern? 

 

Nein, war zu jung.

 

Was hat sich für Sie verändert? (Essen, Wohnen, Schule/Studieren,

Einkaufen, Reisen, Arbeit, Medien, Politik...)?

 

 Nichts, weil ich damals zu jung war. Mit den Eltern war ich schon 1988 in Ungarn auf Urlaub.

 

Wie sehen Sie die Situation heute?

 

Ich sehe es als sehr positiv, dass es in Europa so viel Freiheit und Demokratie gibt, wie nie zuvor. Mir gefällt auch, dass man wieder grenzenlos reisen kann innerhalb Europas - Mitteleuropa als kulturelle Region hängt wieder zusammen. Dazu kommt der wirtschaftliche Aufschwung in der Region (in ganz Mitteleuropa).

 

Was ist jetzt, 20 Jahre danach?

 

Viel besseres Leben, mehr Möglichkeiten als meine Eltern hatten, ja und mein Leben in Polen war erst durch die Veränderungen 1989 möglich geworden.

 

Wie wird es in 20 Jahren aussehen?

 

Schwer zu sagen, aber ich denke, dass das Leben in Polen und in Österreich viel ähnlicher sein wird als jetzt. Die Unterschiede werden geringer sein. Aber ob das Leben in 20 Jahren besser sein wird, als heute, hängt von unserer Generation ab.

 

Iza Bagnińska

Mutter eines Kursteilnehmers des Österreich Instituts Wrocław

 

Ich bin hier heute, um mit Ihnen über das Jahr 1989 zu sprechen. Wissen Sie, was damals passierte?

 

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, dass damals die Berliner Mauer zerstört wurde.

 

Genau, aber haben Sie vielleicht irgendwelche Assoziationen mit diesem Ereignis?

 

Ich habe diese Mauer zum ersten Mal gesehen, als ich 12 Jahre alt war und ich durfte nicht auf die westliche Seite Berlins hinüber gehen. Damals habe ich in Berlin zum ersten Mal einen Hotdog gegessen, wovon  in Polen noch niemand gehört hat.

 

Aha, und jetzt noch eine andere Frage. Wie alt waren Sie im Jahre 1989?

 

Da war ich 19. Als die Maurer gerade zerstört wurde haben alle das zu Hause und in der Schule im Fernsehen gesehen und sich gefreut.

 

Und was gab es vor 20 Jahren, was es heute nicht mehr gibt?

 

Ich musste z.B. in die DDR fahren, um Kleider zu kaufen. Heute kann ich sie in jedem Geschäft bekommen.

 

Und was meinen Sie, wie wird es in der Zukunft sein?

 

Hm, Deutschland war wirtschaftlich immer besser entwickelt als Polen und so wird es wohl bleiben, aber der kulturelle Austausch, der Studentenaustausch wird sich bestimmt verbessern. 



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